A n t i - A n t i - A g i n g

antigaging_final

Der Einsatz unserer ALPHASPHERE und unserer WOLKE 7 in unzähligen Hotels und Thermen auf der ganzen Welt machte mich – als Künstler – nun gleichsam auch zum Experten für die Spa- und Wellness-Branche.

Tatsächlich hat sich da für mich ein spannendes Feld aufgetan: ein nach wie vor ziemlich undefinierter und unreglementierter Bereich, ein buntes Mischmasch aus Gesundheit, Lifestyle, Design, Philosophie, mitunter sogar Psychologie und in jedem Fall auch Touristik. Das alles ist nicht in einem sog. Primär-Business verankert (wie das Finanzwesen, die Lebensmittelindustrie oder der Energiesektor), sondern eher im Luxussegment – also quasi ein »nice-to-have«.

Nun durfte ich als Redner und Performance-Artist in den letzten Jahren bei unzähligen Kongressen und Fachveranstaltungen auf der ganzen Welt, tiefe Einblicke gewinnen in die Themen, die diese Spa-Welt bewegen. Und da ist ein roter Faden aufgetaucht, ein Grundmotiv, auf das ich immer und immer wieder gestoßen bin. Es ist eine Art »Urmotiv«, das ich hier nun in diesem Text ein wenig reflektieren möchte:

Die Suche nach der ewigen Jugend

Beim Spa China Summit in Ningbo/Shanghai war ich eingeladen als »Experte« auf einem Panel zum Thema Anti-Aging mitzuwirken. Und da sitzen rund um mich herum tatsächliche Experten zu diesem Thema: ein Model, ein Laser-Techniker, ja sogar ein Stammzellenforscher, auch ein Marketingexperte und einige sog. »Leaders« der Spa-Industrie. Und die haben mir dann allesamt erläutert, dass es sich bei dem Thema »Beauty & Anti-Aging« um den mit Abstand wichtigsten Umsatzbringer im Spa handelt, der nach wie vor die höchsten Zuwachsraten bringt.

Ich frage mich bis heute, woran das liegt?

Ich selbst habe ja in den letzten Jahren ein ausgesprochen ambivalentes Verhältnis zu Anti-Aging entwickelt: Zunächst ist da das »Anti«, das mir schon in meiner Jugend überaus sympathisch war – wo ich doch ziemlich viel Zeit damit beschäftigt war, gegen ziemlich Vieles zu sein ... Über die Jahre musste ich aber feststellen, dass ich mit meiner Anti-Haltung kaum etwas wirklich erreichen konnte. Oft sogar ging es ins Gegenteil, in die verkehrte und unerwünschte Richtung! Die moderne Hirnforschung hat es mir heute herausgefunden: Für unsere Wahrnehmung entscheidend ist nicht die Pro- oder Kontra-Haltung zu einem Thema, sondern ist das Thema selbst mit seinem emotionalen Gewicht.

Wenn ich jetzt also Anti-Aging sage, dann schwingt in unseren zerebralen Verarbeitungszentren vor allem »Aging« – Älter werden – und damit etwas, worauf unser Weltenlauf ganz grundsätzlich aufbaut, seit Millionen und Milliarden Jahren. Und nun wollen wir Menschen diesen Prozess mit dem kleinen Wort »Anti« konterkarieren? Irgendwie fühlt sich das für mich nicht nur ziemlich weit weg von der Wirklichkeit an, sondern auch präpotent gegenüber dem, »was ist«. Also wenn dann stehe ich wohl vermutlich eher als Experte für ein Anti-Anti-Aging ... ;)

Auf der anderen Seite ist es aber natürlich schon so, dass der Gedanke auch für mich reizvoll klingt, mich vor dem Verlust der körperlichen Attraktivität und der körperlichen Beweglichkeit im Alter zu schützen, klar! Was mich daran aber gleichzeitig stört, ist diese eindimensionale Gerichtetheit – die Ausrichtung nur nach »Vorne«, in eine Zukunft von der wir gar nicht wissen, wie sie ist oder ob Du sie überhaupt haben wirst. Bis heute konnte mir noch kein Mensch nachweisen, dass es eine Zukunft tatsächlich gibt! Wo gibt es sie? Wann?

Da bevorzuge ich das Vertrauen in das Hier und Jetzt. Denn letztlich haben wir keine Wahl: die Zukunft findet nur Jetzt statt. Denn nur dieses Hier und Jetzt können wir auch tatsächlich wahrnehmen. Also wenn schon Anti-Aging, dann könnten wir damit ja auch noch etwas anderes meinen:

Vertrauen in die Gegenwart
Vertrauen in die Gegenwärtigkeit

Es wird eine der ganz großen Herausforderungen für die Spa-Welt werden, diesen Konflikt zwischen Schön >versus< Hässlich und Jung >versus< Alt zu lösen – oder zumindest auf ein differenzierteres, sensibleres Niveau zu heben. Denn hier schwingt etwas ganz Grundlegendes an. Hier schwingt ein Urproblem mit, das in unserer Hochleistungsgesellschaft durch den Schönheitswahn fröhlich verstärkt wird: Nämlich dass wir – und damit meine ich grundsätzlich Männer und Frauen, wobei es heute vor allem die Frauen trifft – uns selbst nicht so genügen, wie wir sind. Stattdessen werfen wir lieber den Blick auf das, was uns zum – medial geprägten – Idealbild noch fehlt. Wir leben im Mangel. Dabei versäumen wir, das Leben zu erleben.

Wenn es uns nun im Spa gelingt, das Gefühl der femininen Ganzheit, der weiblichen Komplettheit zu stärken, so ist aus meiner Sicht tatsächlich gesellschaftlich Relevantes geschehen.

Was es dafür noch braucht? Eine neue Definition von Gesundheit:

Gesund ist es,
sich so anzunehmen wie man ist.

SHA. © 2015