KUNST IM ALLTAG

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Wie vermutlich jeder junge Künstler habe auch ich meine Werke am Anfang meines Schaffens im künstlerischen Kontext präsentiert – im Umfeld der sogenannten Hochkultur. Ich meine damit Kunstfestivals, Konzerthäuser, Museen und Ausstellungshallen. Für mich, der ich aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen stamme, hatte dieses neue urbane Umfeld eine faszinierende, fast magische Anziehungskraft.

Und es klappte auch.

Doch die erste Euphorie darüber, die Aufmerksamkeit des Kunstbetriebs tatsächlich auf mich und meine Werke lenken zu können, wich rasch der Erkenntnis, das weder die internen Spielregeln noch die externen Wirkungsradien dieses elitären Zirkels meinen Vorstellungen entsprachen. Tiefer – oder besser gesagt dahinter – lag die Urmotivation meines kreativen Tuns:

Ich weiß nicht warum, aber schon immer interessierte mich am allermeisten der sogenannte »Alltag« – der alltägliche Moment, der kreative Moment im Alltagskontext, oder, weitergeführt, die künstlerische Intervention im nichtkünstlerischen Umfeld. That is my passion .:.

Aber was fasziniert mich daran, meine Kunst an den Systemebenen des Alltäglichen anzukoppeln? Immerhin gehe ich damit an die Grenzen von Kunst. Denn wenn sich Kunst dem Alltäglichen – und damit auch dem Banalen – ausliefert taucht natürlich die Schwierigkeit auf, was denn da jetzt überhaupt »Kunst« ist? Kunst im Alltag kann übersehen werden, verwechselt werden, in anderen Funktionalitäten wahrgenommen werden. Dies alles sollte im üblichen, vom Alltag entrückten Kunstkontext kaum passieren, wo es genau darum geht, leicht und eindeutig zu erkennen, was hier die Kunst ist – und wieviel sie wert ist ...

Und dennoch fasziniert mich dieser schwierige Diskurs »Kunst im Alltag« – oder eben gerade deshalb. Kunst neu zu positionieren mitten in der Wüste des »Realen«, in der scheinbaren Eindimensionalität, in der drohenden Totalverzweckung des Daseins, das empfinde ich als meine Aufgabe.

Ich kümmere mich um Kunst,
die ausserhalb von »Kunst« stattfindet,
die sich über ihre eigenen Grenzen
hinaus entwickeln kann.

SHA. © 2016