Luxus – was ist das Heute? Interview mit FRAME

blog_bild_luxus

Interview für das Magazin FRAME (Original Englisch)
Topic: DIE ZUKUNFT DER HOTELLERIE
Story: »Redefining Luxury?«

SHA., Deine Projekte sind populär in Spas und Hotels weltweit. Während Spas immer ein Luxusgut sind wirkt die AlphaSphere tiefgehender als die üblichen Treatments. Mir tut sie für den Geist das, was eine Gesichtsbehandlung für die Haut tut. Verstehst Du Deine Projekte als Neudefinition von Luxus?

Es ist definitiv Teil meiner Mission, Menschen ein neues Verständnis, ein neues Gefühl für das zu geben, was wir heute »Luxus« nennen. Ich persönlich empfinde Raum und Zeit in Fülle als den wahren Luxus von Heute. In unserer Zeit, die geprägt ist von Beschleunigung, Verdichtung und Druck wird der Wunsch nach Ruhe und Entspannung immer präsenter – nicht nur in Wellness Hotels, sondern in vielen Lebensbereichen. Ich habe den Eindruck, dass mitten in unserer »Speed-Society« der Wunsch nach Entschleunigung unüberhörbar wird. Da ist vielfach das Bedürfnis nach einer neuen Balance zu spüren, nach einem Ausbalancieren des »Systems«.

Noch vor 10 Jahren war der Begriff »Luxus« für die meisten Menschen tief verbunden mit Geld und mit materiellen Dingen, die wir mit Geld kaufen können. Heute beginnen immer mehr Menschen zu verstehen, dass Luxus ein Gefühl ist und letztlich mehr mit immateriellen Aspekten verbunden ist – wie z.B. Freiheit und Unabhängigkeit.

In der Zukunft der Hotellerie brauchen wir ja letztlich beides: Gäste, die einerseits ein großes Bedürfnis nach immateriellen Werten haben, die aber andererseits auch das Geld haben, um für die Erfahrung von Freiheit und Unabhängigkeit bezahlen zu können. Das klingt irgendwie wiedersprüchlich. Aber in der holistischen Weltbetrachtung ist das der natürliche Prozess des Ausbalancierens aller Energien.

Die AlphaSphere offeriert Gästen ein sehr persönliches, intimes Erlebnis. Glaubst Du, dass Personalisierung ein wichtiger Faktor für die Hotellerie wird?

Mich hat schon immer irritiert, dass es da draußen so etwas wie eine Wahrheit oder die eine Objektivität geben soll. Mir zeigt das Leben auf vielfältige Weise, dass diese Wahr-heit ein Konstrukt meiner Wahr-nehmung ist. Ich sehe das ganz fundamental: jeder Mensch ist einzigartig. Und diese Einzigartigkeit zeigt sich in der Art, wie wir die Welt für wahr nehmen. Dies zu erforschen fasziniert mich!

Jedesmal wenn wir eine Person individuell behandeln, wenn wir ihr das Gefühl geben, dass wir sie als einzigartiges Individuum wahrnehmen, werden wir ein tiefes inneres Bedürfnis in dieser Person ansprechen – werden wir in ihr ein inneres Licht entzünden.

Personalisierung und Individualisierung sind die wichtigsten Faktoren in der zukünftigen Entwicklung der Hotellerie, insbesondere im high-end Segment. Da gibt es heute schon einige gute Beispiele – aber leider auch sehr viele schlechte. Ehrlichkeit und Authentizität spielen dabei sicher eine große Rolle.

Wie malst Du Dir die Zukunft der Hotellerie aus, bezogen auf das Gasterlebnis?

In einer Welt in der die Medien Beschleunigung und Verdichtung zelebrieren, bekommt die Hotellerie die Chance, alternative Szenarien anzubieten. In einer Welt in der »Verortung« – ich meine damit das Bauchgefühl im Hier und Jetzt – zu den raren Momenten zählt, kann die Hotellerie damit punkten, Off-line Erlebnisse im realen, sinnlichen Raum zu ermöglichen.

Es klingt wie ein Paradoxon, aber mit der zunehmenden Digitalisierung aller Bereiche gewinnt das Analoge, das physische Erlebnis an Bedeutung. Hotels bekommen ein neues Feature, eine neue Aufgabe: Sie müssen Menschen tiefgehend berühren, ja regenerieren können – sie letztlich neu ausbalancieren.

In diesen Kontext verankern wir unser HOLISTIC DESIGN Konzept und unsere SinnesRäume für ganzheitliche Erlebnisse. Heute ist es nicht länger die Aufgabe von Architekten und Designern, nur spektakuläre dreidimensionale Hüllen zu entwerfen, die wir als Menschen gar nicht in der Weise wahrnehmen können, wie im Modell oder in der 3D Animation gedacht. »Wie fühle ich mich als Mensch in diesem Raum?« Das wird die entscheidende Designfrage der Zukunft – gerade auch in der Hotellerie.

© SHA. 2015