Kunst & Architektur #4 DAS VISUELLE KONZEPT

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Aus der seriellen Fassade der bestehenden Architektur leiten wir Schnittpunkte ab, ein ganzes Netz aus Schnittpunkten, mit denen wir nun zu spielen beginnen:

Am Anfang ist der Punkt. Der Lichtpunkt. Dann werden daraus mehrere Lichtpunkte, die bei entsprechender Betrachtung eine Linie ausformen. Zunächst eine Linie, dann mehrere Linien, die eine Fläche, eine Schale, ein dynamisches Band formen. Daraus entsteht das Möbiusband, die Möbiusschleife – eine wundersame zweidimensionale Struktur, die nur eine Kante und eine Fläche hat und in der wir in weiterer Folge nicht zwischen Innen und Aussen unterscheiden können.

Daraus wird dann die Welle, als Symbol für Lebendigkeit und Veränderung. Eine Welle, die sich gleichsam liebevoll um das – allzu streng und geometrisch organisierte – Gebäude herum windet, ja es liebevoll »berührt«. Dann wachsen aus der Welle verschiedene Wellenformen, die pulsierenden Sinuswellen – als Zeichen für den Pulsschlag des Lebens, schlechthin DER »Beweis für Leben«. Eine plastische, fast triviale Symbolik, die ein jeder aus unzähligen Filmmotiven kennt. Der Herzschlag.

Schließlich überlagern sich Wellenformen, Möbiusbänder und Lichtlinien in einer Helix, in einer Doppelhelix. Sie erinnert uns an die Lebensader des Menschen – die DNA.

Die DNA ist ein Biomolekül und Träger der Erbinformation, also der Gene. Die Form der DNA – die Doppelhelix – hat unsere »DNA für Das Lebendige Haus« in ihrer Erscheinungsform inspiriert. Unsere DNA versteht sich als »immaterielle Architektur«, als energetisches Rückgrat für ein Gebäude, das zunächst auf ungünstigem, historisch belastetem Boden steht und das dann in seiner weiteren Entwicklung nicht Schwung aufnehmen konnte, sondern letzlich viele Jahre Leerstand erleben musste.

Dieses Projekt ist also im wahrsten Sinn des Wortes eine »Revitalisierung« – und dabei spielt die DNA eine entscheidende Rolle. In der Epigenetik erkennen wir im Gegensatz zur herkömmlichen Genetiklehre, dass es sehr wohl vom Individuum und seinen Umweltfaktoren abhängt, welche in der DNA angelegten Eigenschaften auch tatsächlich ausgeprägt und entwickelt werden – und welche gleichsam stillgelegt werden. Wir sind als Lebe-Wesen also nicht genetisch fixiert, ausgeliefert, determiniert.

Unsere Stammzellen bewahren sich eine gewisse Flexibilität ... So kann der Zellkern die in ihm liegende DNA tatsächlich beeinflussen.

Diese junge wissenschaftliche Erkenntnis aus der Genetik verstehen wir als lebensbejahendes Grundmotiv für unser Lebendiges Haus.