Kunst als Sinnstiftung (2/3). Wie selten wir da sind, wo wir sind.

grandcanyon2

Wenn ich irgendwie überall gleichzeitig sein kann,
bin ich wo wirklich?

Schon heute beträgt das Datenaufkommen im Internet laut Wikipedia rund 1 Exabyte pro Tag, das ist eine Milliarde Gigabyte. Wer mit diesen Zahlen wenig anfangen kann, dem wird dieser Vergleich die Augen öffnen: Diese Datenmenge entspricht der 2500-fachen Menge aller Bücher, die jemals in jeder Sprache auf der Welt geschrieben wurden. Und dies täglich! Mit welcher Übermacht an digitaler Informationsfähigkeit haben wir es da heute eigentlich zu tun?

Denn jemand hat diese Datenmengen auch zu verarbeiten – Wir?

Ganz offensichtlich steht es an, neue Kulturtechniken zu erlernen: Bisher haben wir den Schlüssel noch nicht gefunden, wie wir diese gewaltigen Errungenschaften, Informationsflüsse und Datenmengen dafür nutzen könnten, um uns als Menschheit in unserer Beziehung zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen, ja zu unserer »Mutter Erde« entscheidend weiterzuentwickeln.

Fest steht, dass die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte aus unserer langsamen analogen Welt eine schnelle digitale und v.a. komplexe Welt gemacht haben. Komplexität bedeutet systemisch betrachtet immer Mehraufwand. Unsere heutige komplexe Welt verlangt von uns Menschen im Arbeits- wie im Freizeitkontext einen höheren Aufwand, einen höheren Energieaufwand.

Mit diesen neuen energetischen Herausforderungen nimmt nun das analoge, das physische Erlebnis wieder an Bedeutung zu – und damit auch der reale Ort, der im wahrsten Sinn des Wortes begreifbare Raum. Es klingt wie ein Paradoxon: Im Zeitalter von Smartphones, Facebooks und Virtual Realities entwickelt der moderne Mensch tief in seinem Inneren die Sehnsucht nach Entschleunigung und Sinnlichkeit – nach Ruhe, Rührung und Berührung. Die gestalteten Räume, in denen wir leben, bekommen heute die Aufgabe, regenerativ zu wirken und uns Menschen energetisch zu stärken, indem sie uns berühren. Und berühren lassen wir Menschen uns am besten über unsere Sinne, denn nur über unsere Sinne nehmen wir unsere Welt wahr – für wahr. Es geht also um die Gestaltung neuer Räume, neuer Orte: Orte, die uns berühren. Orte für Berührungen, die uns verorten.

Wie kann dies ein »Raum« leisten?

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