Kunst als Sinnstiftung (1/3). Wie selten wir da sind, wo wir sind.

grandcanyon1

Unsere Gesellschaft verändert sich. Wir leisten mehr. Wir alle handeln schneller. Und jeder von uns verfügt über so viel Informationen, wie noch nie zuvor. Wir leben im 21.Jahrhundert. Es ist die Vision früherer Generationen, die wir Hier und Heute leben dürfen.

Dennoch distanziert uns diese Leistung, dieses Tempo, diese Informationsflut voneinander – und auf merkwürdige Weise auch von uns selbst. Immer seltener können wir den objektiven Zugewinn an Informationen und Möglichkeiten in individuelles Wissen umwandeln, in brauchbares Wissen, in gefühltes Wissen, das dabei helfen könnte, uns Menschen besser in Verbindung zu spüren mit uns selbst – und letztlich auch mit unserer Umwelt.

Viele stellen sich im modernen 21.Jahrhundert die geradezu archaische Frage nach ihrer Lebensenergie. Unser urbaner Arbeits- und mittlerweile auch Freizeitalltag trägt das Potential in sich, uns fortwährend zu unterhalten, zu beschäftigen, zu fordern – aber auch zu überfordern. Wachstums- und Wettbewerbslogik führen zu immer höherem Leistungs- und Produktivitätsdruck und schließlich zu einer zeitlichen und räumlichen Verdichtung. Effizienz scheint das höchste Gut zu sein. Dabei prasseln stetig neue Anforderungen auf uns herein. Im Zeitalter von Globalisierung, Totalvernetzung und Dauerkommunikation mittels moderner Medien macht sich im Alltag ein merkwürdiges Gefühl der Ortslosigkeit und Enträumlichung breit, eine Art »Pulverisierung« der realen Welt:

Wenn ich überall gleichzeitig sein kann, bin ich wo wirklich?

SHA. © 2015