Innovation? Hören Sie auf zu Denken!

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Provokant betitelte eine österreichische Tageszeitung ihre jüngste Karriere-Ausgabe mit der Headline »Hören Sie auf zu denken!«.

Nun, das mag in Zeiten einer Hochleistungsgesellschaft, die sich vor allem durch Effizienz und Optimierung definiert, ein frommer Wunsch bleiben. Und dennoch, vermutlich trifft die Zeitung damit die Bedürfnisse ihrer Leser und Leserinnen gleichsam auf dem »Kopf«. Die Hirnlastigkeit, die Überinformation und die Schnelllebigkeit machen unser aller Arbeitsalltag oftmals zur wahren Hetze.

»Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« (Albert Einstein)

Tatsächlich erscheint das »Denken-Ausschalten-Können« als eine immer begehrlichere Fähigkeit – auch wenn es um Neues, um Innovation geht. Immer wenn wir Probleme lösen wollen, wenn wir »innovieren« wollen, müssen wir unsere gewohnten Denkstrukturen überwinden. Denn – wie schon Albert Einstein erkannte – sind nur innerhalb dieser Denkstrukturen diese Probleme diese Probleme.

Nun sind unsere gewohnten Denkstrukturen aber dazu da, uns Sicherheit zu geben, uns auch voneinander abzugrenzen, ja letztlich uns »selbst« zu erzeugen. Die Auflösung dieser gewohnten Denkstrukturen öffnet in uns einen weiten Raum für Unsicherheit, Angst – bis hin zu Schmerz.

Meine Frage: Geht es nur über die Veränderung unserer Denkstrukturen oder gibt es nicht noch einen anderen Weg, um sich frei zu machen für »Neues«?

Meine Antwort: Intuition!

Wenn es uns gelingt, den Fokus von der rationellen Orientierung wegzulenken auf die Wahrnehmung der vorbewussten Anteile – die Intuition – die immerhin 90-95% unseres Gehirns ausmachen, dann ersparen wir uns den schmerzhaften Weg der zwanghaften Veränderung unserer Denkstrukturen. Denn, wie wir alle wissen, führt die zwanghafte rationelle Veränderung letztlich zu keinen nachhaltigen Ergebnissen. Oder hat sich auf diese Weise schon jemand von uns tatsächlich verändern können?

Vermutlich ist das »In-Sich-Hineinfühlen« nicht in allen Arbeitsprozessen der Königsweg. Doch bei neuen Herausforderungen, in der Innovationsarbeit oder auch in Change-Prozessen sagt die »unbewusste Intelligenz« im »Bauch« oft klügere Dinge als das Hirn. Immerhin verarbeitet das Unbewusste mehrere Millionen Informationen pro Sekunde – das Bewusstsein nur einen winzigen Bruchteil davon! Nicht einmal ein Prozent dessen, was das Gehirn gerade tut, wird uns bewusst. Und unsere Erfahrung zeigt: Komplexe Entscheidungen lassen sich auf bewusster Ebene meist nur mühsam und zeitaufwendig herbeiführen, während intuitives Entscheiden immer schnell und mühelos vonstatten geht.

Fest steht: Der »Homo oeconomicus« verliert langsam die Lust an seiner rationellen Maximierung der Nutzenfunktion und dem damit verbundenen nüchternen Abwägen der Kosten und Nutzen pro Entscheidung. Aus René Descartes »Ich denke also bin ich« wird António Damásios »Ich fühle also bin ich«. Bezeichnenderweise war Descartes Mathematiker und Naturwissenschafter während Damásio Neurowissenschaftler und Bewusstseinsforscher ist.

Ich denke (und fühle): Heute brauchen wir beides!

Bloß hat das Fühlen immensen Aufholbedarf.

In diesem Sinne könnte die nächste Ausgabe statt mit »Hören Sie auf zu denken!« mit »Beginnen Sie zu fühlen!« betitelt werden.

© SHA. 2015