#Entkultivierung #Entsinnung

Plädoyer an die Eigenverantwortung:
Die Neudefinition liegt in Deinen Händen

Corona ist eine Naturkatastrophe. Auf eine Naturkatastrophe reagieren wir Menschen unterschiedlich: Die Einen reagieren mit großer Skepsis und bitterer Kritik an der allgemeinen, sozusagen »mehrheitsfähigen« Erzählung, die uns von Politik und Medien vermittelt wird. Die Anderen reagieren mit großer Disziplin, die Regeln und Vorschriften, die uns gemacht werden, als möglichst sinnvoll und zielführend zu vertreten. Was alle Menschen eint ist die Angst. Lösen wir uns für einen Augenblick davon:

»Und wofür kämpfen wir dann?«

Premierminister Winston Churchill wurde mitten in der größten Not – als der Luftkrieg über Großbritannien tobte – aufgefordert, die Kulturausgaben des Staates zu Gunsten des Verteidigungshaushalts zu kürzen. Churchill weigerte sich und antwortete mit dem legendär gewordenen Satz: Und wofür kämpfen wir dann? Dieser einfache Gedanke ist eine zentrale Quelle der Inspiration für Krisenzeiten.

Was macht uns Menschen aus? Was macht uns Menschen aus, wenn es eng wird … wenn es an unsere Essenz geht? Und was sagt das über unser Menschenbild, wenn wir die Gesundheit über alles andere stellen? Was sagt das über unsere Gesellschaft aus, wenn wir unbedingt und mit allen Mitteln versuchen, die menschliche Lebensdauer so weit wie möglich zu verlängern und dabei die menschliche Lebensqualität, den eigentlichen Inhalt des Lebens – das WIE – vernachlässigen?

#Entkultivierung und #Entsinnung

Ein kurzer Blick auf den aktuellen Zustand unserer Gesellschaftskultur wirkt ernüchternd: Die Kulturszene ist in einen künstlichen Tiefschlaf versetzt worden. Ihre Besucher und Besucherinnen sind wie betäubt. Wenige beschweren sich, niemand schreit laut auf. Während man vor einem Jahr noch geglaubt hat, dass im Theater, in Konzerten, in der zeitgenössischen Kunst die großen, die wichtigen Weltfragen verhandelt werden, so zeigt sich heute der wahre Stellenwert der Kultur als sekundär, wahrscheinlich tertiär. Die bereits viele Monate andauernde kollektive »Entsinnung von gemeinsamen Erlebnissen für unsere Sinne« wird genauso akzeptiert, wie Verbote, die zu Geboten wurden:

Leben voller Paradoxien

War es vor einem Jahr noch strafbar, sein Gesicht im öffentlichen Leben zu verhüllen, ist es nun ein Gesetzesvergehen, sich nicht zu maskieren. Gehörten Konzerte, Kinobesuche und gemeinsame Feiern zu unserem Alltag, finden diese Aktivitäten nun gar nicht mehr statt. Der Platz für gemeinsames Sinieren, Diskutieren und Beschwören neuer Ideen, die für das Verdauen allzu totalitär anmutender Vorschriften, für viele Menschen dringend nötig sind, bleibt einfach leer und unbesetzt.

Unverzichtbares wurde ziemlich einfach verzichtbar: Während man sich vor kurzem in ganz Europa noch ganz klar gegen genmanipulierte Lebensmittel ausgesprochen hatte, setzt man heute in der Lösung der Pandemie alles auf eine mRNA Impfung, die in den Menschen gleichsam ein künstliches Softwareprogramm induziert, ohne die langfristigen Folgen zu kennen.

Die Bundesregierung will mit sogenannten »Massentests« dafür werben, dass man sich in langen Schlangen sortiert wie Vieh anstellt, um eine Momentaufnahme zu bekommen – und ignoriert dabei völlig, dass wir hier in Europa eine individualistische Gesellschaftskultur entwickelt haben.

Und während wir in der wirtschaftlichen Lösung dieser Krise alles auf die Karte der #Digitalisierung setzen, findet ein schwerer Verlust der Sinnlichkeit statt. Ist dieser kulturelle Totalschaden wieder zu reparieren oder besinnen wir uns lieber auf etwas Neues? Bleibt diese Restrukturierung der Gesellschaft erhalten oder kommen wir wieder zu unseren »alten« Werten zurück?

Zeit der Transformation

Die Corona-Krise schränkt das Leben so sehr ein, wie keine andere Krise unserer Generation. Wie kann man aus so einer Zeit Gutes mitnehmen? Es werden jedenfalls diejenigen die Gewinner sein, die achtsam durch den Alltag gehen und sich selbst um ihr Leben kümmern. Soviel lässt sich heute schon sehen:

Nur wer sich mit viel Geduld und Durchhaltevermögen durch den Dschungel an neuen staatlichen Hilfen und Förderungen durchkämpft, erhält sie auch. Ist es nicht gut zu wissen, dass der Staat in einer Notsituation hinter uns stehen und sich das leisten kann?

Nur jene Jugendlichen, die jetzt schon möglichst selbständig und selbstorganisiert agieren, werden es schaffen, diese lange Phase des Distance-Learnings als eine Chance wahrzunehmen, auf die sie sich später als Erwachsene immer wieder beziehen können.

Und nur jene Mitarbeiter, die aus dem jetzigen HomeOffice besondere Leistungen liefern können, wird es auch in Zukunft gelingen, diese neue Arbeitsform als gleichwertige Option zur Verfügung zu haben.

Corona fordert und fördert die Eigenverantwortung

Wie wir uns als Gesellschaft entwickeln, das hängt jetzt von uns ab, von jedem einzelnen und von jeder einzelnen von uns. Dazu braucht es aber Impulse und Inspirationsquellen. Und gerade dazu fordere ich die Kulturszene auf: Verlassen wir unsere bequemen, nun staatlich geförderten Positionen und liefern wir innovative Ideen und Gegenentwürfe zum schalen Alltag einer Pandemiezeit. Schräg dürfen sie sein und auch laut!

»Ein Optimist sieht eine Gelegenheit in jeder Schwierigkeit,
ein Pessimist sieht eine Schwierigkeit in jeder Gelegenheit.« (Winston Churchill)

Wir alle – und damit meine ich auch Politik und Medien – könnten uns in der Coronazeit, im Entzug, bewusst werden, was uns Menschen zu dem gemacht hat, was wir heute sind: Welche Rolle spielt Kultur, welche Rolle spielt das Besondere, das Feinsinnige, ja das Feinsinnliche in Deinem Leben?

Die Neudefinition der Post-Corona Zeit liegt in Deinen Händen.

© SHA. ART 2020