DAS KRISENPOTENTIAL. EIN RIESENPOTENTIAL?

Jetzt schlagen in den News die Tiefschläge ein: Historischer Konjunktureinbruch in den USA, wo das Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 33% zurückgehen soll. Absage von bisher 3.500 Ausstellungen und Messen weltweit. D.h. sie wurden ersatzlos gestrichen! Aber auch in unserer Heimat: Rückgang der Nächtigungen im Wien-Tourismus um 88%.

Wenn wir diese Zahlen betrachten entsteht in uns Verunsicherung. Und dies wohl zurecht. Denn diese Zahlen betreffen nicht nur »Wirtschaftstreibende«, sondern uns alle, die ganze Gesellschaft, jede und jeden einzelnen von uns.

Die Verunsicherung, die wir beim Lesen solcher News spüren, führt immer dann, wenn sie weiter genährt wird, zu Vertrauensverlust. Mehrfach induzierter Vertrauensverlust lässt in uns einen dauerhaften Druck entstehen – dieser öffnet wiederum die Tür für ein Gefühl der Bedrohung. Am Ende dieses Zyklus steht unausweichlich Angst. Bis hin zur Existenzangst.

Verunsicherung > Vertrauensverlust > Druck > Bedrohung > Angst

Dieser Krisenzyklus ist ein archaisches Muster. Es läuft in uns Menschen gleichsam automatisch ab – ohne unser bewusstes Zutun. Für den Wirtschaftszyklus kommt es aber noch schlimmer: Denn durch die Resonanz zwischen uns initialisiert der erste »Verunsicherung-bis-Angst« Zyklus gleich den zweiten »Verunsicherung-bis-Angst« Zyklus usw. Wenn wir nun in den Medien hauptsächlich von der KRISE hören, dann ist das nicht nur eine selbsterfüllende Prophezeiung, sondern ein tief verwurzeltes archaisches Relikt des Menschseins. Wir Menschen verstärken einander – im Positiven wie im Negativen.

Eine neue Art von Stress

Es entsteht Stress. Diesmal ist es aber ein anderer Stress als wir ihn während der letzten globalen Krise, der Finanzkrise 2008/09, erlebt haben. Diesmal ist er breiter fundiert und wird aus zwei Motiven gespeist: Die direkte Bedrohung unserer eigenen Gesundheit durch den Corona-Virus und die indirekte Bedrohung unserer persönlichen Lebensqualität durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Und zusätzlich wissen wir alle diesmal gar nicht, wie lange diese Form der Corona-Krise andauern wird, oder – noch grundlegender – ob es sich überhaupt um eine Krise handelt, also ob wir von einer Phase sprechen können, die wieder vorbei geht.

Aus dieser Gemengelage entsteht große Verunsicherung weiter Bevölkerungsgruppen – und damit große Angst auf der ganzen Welt.

Wie kommen wir wieder raus aus dieser Angstspirale?

Wie können wir diese zutiefst menschliche Stressresonanz überwinden? Wie können wir die Spirale der Angst durchbrechen?

Viele Menschen reagieren auf diese diffuse Situation mit einem archaischen Reflex: TOTSTELLEN. Weite Teile unserer Gesellschaft wirken aktuell wie gelähmt, es hat sich eine seltsame gesellschaftliche Lethargie ausgebreitet. Die Produktivität ist so niedrig wie noch nie. Für Innovationen interessiert sich niemand. Stillstand.

Andere Menschen nutzen die Gelegenheit und reagieren mit einem zweiten archaischen Reflex: FLUCHT. Raus aus dem Alltag wie er bisher war. Hinein in eine Alternativwelt. Weg von den offensichtlichen Stressoren. Endlich das machen, was und wie man es schon immer wollte.

Und wieder andere Menschen stellen sich der Krise gleichsam in den Weg, sie bieten Widerstand und reagieren mit einem dritten archaischen Reflex: KAMPF. Dieser Weg ist voll gepflastert mit Zweifel und Kritik. Kritik an der Politik, Kritik an den oberen 10.000, Kritik an den getroffenen Maßnahmen, Kritik am System. Kritik an der Kritik ...

Gibt es auch noch einen anderen Weg?

In meiner Wahrnehmung gesellt sich zu diesen drei archaischen Reflexen heute noch ein alternatives Reaktionsmuster dazu. Dafür vergegenwärtigen wir uns nochmals die Kernfrage: Wie kommen wir wieder raus aus dieser Angstspirale?

Raus? Vielleicht müssen wir gar nicht raus.

Können wir die Kraft dieser Spiraldynamik nicht auch anders nutzen? Können wir die Bewegungsrichtung vielleicht einfach umdrehen und dann die hohe Spiralenergie nutzen? Können wir mit diesem großen Potential, das global derzeit in Form von Angstenergie da ist, etwas Neues schaffen, etwas Neues schöpfen?

Kreativität ist die Alternative

Dieser vierte Weg würde die Überwindung der drei archaischen Reflexe TOTSTELLEN, FLUCHT, KAMPF bedeuten. Ich würde diesen Weg KREATION nennen:

»Nutze Deine Kreativität – unabhängig davon, was rundherum ist.«

Dies kann jedem von uns gelingen. Dafür müssen wir uns aber bereit machen. Dafür müssen wir uns Wiederbesinnen auf den eigenen Antrieb, auf die eigene Urmotivation, auf die eigenen individuellen Ressourcen, auf die Fehler und Talente, die jeder von uns mit sich trägt, und auf die eigenen Erfolge und Misserfolge. Beide stärken uns.

Last-but-not-least könnten wir uns daran erinnern, die vielen Schätze, die uns das Leben schon geschenkt hat, in entsprechender Form zu würdigen. Denn das ist der Schlüssel: Dankbarkeit. Durch diese Dankbarkeit kann es uns gelingen, die Energie, die derzeit im Angstzyklus feststeckt, für uns Menschen zu reaktivieren.

Eine kreative Revolution

Wenn uns das gelingt, die hohe Energie, die derzeit im Angstzyklus feststeckt, wieder freizusetzen, dann wird das eine kreative Revolution. Eine kreative Evolution.

So wird aus dem KrisenPotential ein RiesenPotential.

© SHA.